9. DONAUTURM TREPPENLAUF      18.11.2000

Mein Freund: Der Neue Donauturm - ein Wiederholungstäter berichtet.

Im November 1999 war die Zukunft dieses Wiener Klassikers der 'Laufrandsportart' Turmlauf noch höchst ungewiß. Die 8. Auflage am 20. 11. 1999 war zwar wie gewohnt vom Schuh-Ski Club unter Leitung von Claudia Viehhauser hervorragend organisiert worden, der Fortbestand der Fa. Schuh-Ski aber schon unwahrscheinlich.
Mit Jahresende gab es dann das erwartete 'Aus' und der Donauturm-Treppenlauf schien
das Schicksal des Münchner Olympiaturmlaufs zu teilen und aus dem Veranstaltungskalender zu verschwinden. Irgendwann im Spätsommer des Jahres 2000 fand sich dann aber im Laufsport-Magazin ein Zweizeiler:

Donauturmlauf heuer am 18. November
nähere Infos unter www.donauturm.at

Nur ein Aufruf dieser Adresse endete nach einigen Sekunden, in denen einiges heruntergeladen wurde, mit der Meldung ' Seite kann nicht angezeigt werden '. Sowohl bei Netscape als auch beim IE. Durch Zufall kam ich dann bei anderen WebSites darauf, daß es einen Flash Viewer gibt, und wenn man den heruntergeladen und installiert hatte ( Bei Netscape erst nach vielen Versuchen mit Version 5 gelungen - bei IE sofort (( warum wohl ! ))), fand sich tatsächlich
eine Ausschreibung - und siehe da; fast alles war so wie früher ! Veranstalter jetzt die Hauptperson - " Der Neue Donauturm " in Alleinregie, aber mit Ausnahme von Nenngeld und Trainingslaufgebühr :o( sonst alles beim Alten !

Noch zwei kurze Nebenbemerkungen: Die Firma Schuh-Ski gibt es wieder auf der Donauinsel, den Club jedoch nicht mehr. Und die Donauturm-HomePage bleibt für Nicht-Flash-Viewer noch immer unsichtbar - es gibt auch keinen Hinweis wie bei anderen Seiten und ein Hinweis meinerseits wurde zwar an die gestaltende Internetfirma weitergeleitet, aber ...

Für dieses mein 4. Abenteuer am Tatort Donauturm habe ich immerhin als Vorbereitung zweimal die berühmte Markwardstiege im 13. Bezirk besucht. ( Statistische Bemerkung: beim ersten Ausflug haben meine Zählungen der Stufenanzahl die Werte 418 und 419 ergeben; die Entscheidung ist dann beim 2. mal zugunsten von 419 gefallen ! ). Einen der zwei angebotenen Trainingstermine im Donauturm selbst habe ich auch
genutzt, um ein bißchen Gefühl für die Stufen zu bekommen. Dabei gab es nicht nur bekannte Gesichter aus den Vorjahren zu sehen, sondern auch die nützliche Information zu erhalten, daß die Strecke verlängert worden war und außerdem das Startprozedere eine leichte ( vorteilhafte ) Veränderung erfahren hatte.

Innerhalb der Klassen gab es nicht mehr absolute Startzeitpunkte alle 20 sec nach vorgegebener Reihenfolge. Wie gewohnt alle Teilnehmer einer Klasse im Block, aber - dank der Lichtschranken bei Start und Ziel - eine flexible Startreihenfolge ca. alle 20 sec, wobei die Klassenstarter sich selbst organisieren konnten, um Überholvorgänge zu minimieren. Um die Zuordnung der LäuferInnen zu den gemessenen Zeiten zu
erleichtern, gab es - bei Läufen sehr selten, zwei Startnummern !

Ja, und da der Platz zum Aufstellen des Lichtschrankens im Ziel der bisherigen
Läufe zu wenig war, ergab sich für heuer eine Streckenverlängerung ! Zu den alten 776 Stufen kamen bis zur verglasten Aussichtsterasse noch 3 +14 hinzu, also 793 ! Die Anzahl der Podeste kann man jetzt mit 60 statt 58 angeben, wenn man die drei Stufen als 'halbes Podest' zählt und berücksichtigt, daß das allerletzte Podest vor dem bisherigen Ziel nie mitgezählt wurde - aus welchen Gründen auch immer !

Nur für die traditionell als Letzte startenden TopTen ( als solche akzeptiert
wurden Läufer mit einem TopTen-Ergebnis aus vorherigen Jahren ) war das Startintervall mit ca. einer Minute festgelegt, sodaß mit ziemlicher Sicherheit eine Beeinträchtigung der Spitzenläufer durch Überholvorgänge ausgeschlossen war.

Nun zum Lauf selbst: Am Platz vor dem Turm war, als wir gegen 9h30 auftauchten, eine Vidiwall aufgebaut, und man konnte bereits live 'Action On The Stairs' erleben. Vor dem für die LäuferInnen geöffneten Hintereingang war wieder eine Holzhütte zum Umkleiden aufgebaut und drinnen im nicht allzu großen Innenraum herrschte das übliche Gedränge. Hier erfolgt sowohl der Start ins Treppenhaus hinein als auch der Zugang zu den zwei Aufzügen. Diese spucken während des Rennens immer wieder erschöpfte TeilnehmerInnen aus, die es schon geschafft haben; daneben läuft aber auch der ganz alltäglich Betrieb, Touristen und Restaurantgäste, natürlich interessiert am unerwarteten Geschehen, vergrößern das Gewurle im Raum. Neben dem Start gab es auch einen Monitor und es stellte sich dann heraus, daá auf der 'Strecke' drei Kameras aufgebaut waren, bei Halbdistanz, vier Podeste vor dem Ziel und im Ziel selbst. Ein Moderator beim Start kommentierte das Geschehen auf dem Monitor und irgendwo muß natürlich auch jemand die Bildregie gemacht haben ! Jedenfalls eine lobenswerte Live-Übertragung.

Mein Bruder und ich hatten als M40er noch viel Zeit und ich habe mir zunächst einmal das Start-Prozedere angeschaut und die Atmosphäre in mich aufgenommen. Dann ist Thomas wieder aufgetaucht: er hatte sich zu den TopTen gemeldet, als Gesamt-Neunter des Vorjahres anstandslos akzeptiert. Er machte sich ja in seinem ersten Jahr in dieser Klasse (natürlich für mich eine deutliche Verschlechterung meiner Aussichten auf Stockerlplätze :o( ) gewisse Hoffnungen auf den Klassensieg, nach der Startliste gab es eigentlich nur den uns von diversen Veranstaltungen bestens bekannten Alfred Frühwirt als Gegner für ihn, von unbekannten Größen natürlich abgesehen. Und dessen Sohn Harald tritt dann aus dem Aufzug, glühend vor Stolz über seine Zeit von 4:17 ! Es sollte dies sogar ein TopTen-Platz und der erste Sieg über den Vater in einem Wettkampf sein.

Dann war es aber Zeit zum Einlaufen für mich und während selbigem auf den Wegen im Donaupark habe ich noch einmal über die Taktik nachgedacht. Nach den Erfahrungen der letzten drei Jahre scheint es mir am besten zu sein, wenn man 'schnell' beginnt, das heißt Laufen solange es geht ( bei mir ca. über ein Drittel der Strecke ) und dann auf das Notprogramm umzuschalten, d.h. schnelles Gehen - das geht immer noch, auch wenn man schon schwer gezeichnet ist. So habe ich zweimal 4:57 geschafft (97 und 99). Als ich
im Jahre 98 etwas vorsichtiger anging, war es dennoch nach Dritteldistanz mit dem aktiven Laufen zu Ende und die am Anfang 'verlorenen' Sekunden fehlten mir dann am Schluß (5:04). Im Zweistufen-Rhythmus zu laufen bzw. zu gehen steht dabei für mich außer Zweifel. Limitierend für mich ist, daß ich erstens kein spezifisches Krafttraining mache - ein solches hat bei einigen Bekannten zu deutlichen Steigerungen geführt - und zweitens als
eindeutig ungeschickter (patschert :o) ) Mensch, der mit demErlernen von Techniken einfach Schwierigkeiten hat, es nicht verstehe, beim Schnellgehen mit der linken Hand und im obersten Abschnitt mit beiden Händen das Geländer wirklich auszunutzen.

Schließlich wurde es dann doch ernst für mich und ich suchte mir einen Platz in der Reihe der wartenden StarterInnen der 40er-Klasse (W+M !).
Und Ab !
Rein von der Zeit her entspricht der Donauturm-Treppenlauf bei mir dem 1500m-Lauf, nur das Belastungsprofil ist halt ein ganz anderes. Ich hatte schon beim Trainingslauf 10 Tage vorher gemerkt, daß ich mir schwerer tat als in den Jahren davor und rechnete mir unter Berücksichtigung der zusätzlichen 17 Stufen keine Chancen aus, unter der 5 Minuten-Grenze zu bleiben ! In der Tat wurden mir schon relativ früh die Beine ganz ordentlich schwer und so beim 20. Podest war es mit dem Laufschritt praktisch vorbei und Stiegensteigen angesagt. Die Podestnummern, die man an der Wand immer im Blickfeld hat, wollten sich einfach nicht erniedrigen, während ich mich hinaufkämpfte ! Ein kleines Zwischenhoch gab es nur, als ich auf einen früher gestarteten Teilnehmer 'aufging' und gerade noch, bevor es bei den letzten 13 Podesten schmäler wird, an ihm vorbeimarschierte. Er hatte wesentlich mehr zu kämpfen als ich. Schließlich durch das Tor, wo früher das
Ziel war, die 3 Stufen dahinter, rechts um, die letzten 14 Steinstufen und durch. Uff.
Schwer atmend auf zittrigen Beinen ein Kontrollblick auf die Uhr: 5:17 -
nicht unerwartet, aber nichtsdestodemtrotz doch enttäuschend :o( . Naja.

Dann die üblichen Aktivitäten im Ziel - einen Becher heißen Tee schlürfen - sehr wohltuend und als Lohn der Anstrengung das Leiberle in Empfang nehmen. Die wunderbare Aussicht von der Glasterrasse interessiert in diesen Momenten überhaupt nicht ! Aber allen anderen geht es genauso, bei keinem 'normalen' Lauf wirken die TeilnehmerInnen im Ziel so erschöpft wie hier.

Nach ein paar Minuten, auf wieder etwas stabileren Beinen dann mit dem Aufzug hinunter. Im Startraum hat mir dann Thomas bestätigt, daß ich bei der Halbstreckenkamera ins Bild kommend schon einen ziemlich müden Geher gegeben habe ... Glücklicherweise erholt man sich nach so einer 'Kurzanstrengung' recht schnell und als es nach einer längeren Pause als sportlichen Abschluß und Höhepunkt der Veranstaltung mit den TopTen losging, war ich schon wieder frisch und munter und verfolgte wie viele andere das Geschehen am Monitor
im Startbereich. Für diese Eliteläufer gibt es ein Startintervall von einer Minute, d.h. praktisch hat jeder den Turm für sich alleine und es gibt keine Überholmanöver. Es war eine sehr spannende Entscheidung, wobei Rudi Reitberger, schon zweiter in New York gewesen und Mitglied der Österreichischen Berglauf-Nationalmannschaft schließlich um ganze 7 Zehntelsekunden sich Markus Zahlbruckner geschlagen geben mußte ! Dritter ein Mehrfachsieger vergangener Jahre, der Ruderer Mathias Schreiner; auch nur 4 Sekunden zurück und nur knapp vor Rolf Majcen, der schon in Toronto siegreich war ! Diese vier blieben auch auf der verlängerten Strecke unter 4 Minuten.

Was meinen Bruder Thomas betrifft, so war er mit 4:29 ganze 20 Sekunden hinter seiner persönlichen Bestzeit;was ihn aber mehr schmerzte, war der 3,67 Sekunden - Rückstand auf seinen Dauergegner Alfred Frühwirt. Noch kein Klassensieg in der Familie ! Die Entscheidung wurde auch 'live' kommentiert, allerdings hatte niemand dem guten Mann eine Starterliste mit Nummernzuordnung in die Hand gedrückt, so daß er nur von 'Startnummer n' sprechen konnte, ein kleiner organisatorischer Mangel, der sich leicht hätte beheben lassen ! Aber insgesamt war dieser Donauturm-Treppenlauf eine tolle Veranstaltung, und
mit dem Ankommen des letzten Starters oben auf der Aussichtsterasse war es ja noch nicht zu Ende. Zwei weitere Programmpunkte galt es zu absolvieren, zunächst einmal die wohlverdiente Stärkung - gratis für alle LäuferInnen - im Biergasthof "Isola" gleich neben dem Turm. Unter dem Titel 'sportliches Brunchbuffet' konnte man nach Lust und Laune speisen und trinken, wobei die früher Gestarteten natürlich etwas im Vorteil waren :o) Letzter Punkt der Tagesordnung dann die Siegerehrung, heuer erstmals auf der Aussichtsterasse. So sind die TeilnehmerInnen auch einmal zu einer Liftfahrt hinauf gekommen ... Eine Impression, die männlichen Donauturm-Besuchern vorbehalten bleibt, habe ich vor Beginn der Ehrung dann noch genossen, einen wunderschönen Blick auf Wien bei einer Tätigkeit, die man selten in solch einer Umgebung ausübt :o) Zur Siegerehrung selbst muß ich dann eine - rein persönliche - Kritik anbringen. Der Moderator gefiel sich darin, einen gewissen Boxkommentator, dessen Name mir nicht in Erinnerung ist, zu imitieren. Eine unglückliche Erinnerung an jene Zeit vor einigen Jahren, als sich der ORF eine zeitlang bemüßigt fühlte, den in meinen Augen Nicht-Sport Boxen zu pushen. Eine Ohrenqual.

Abgesehen davon konnten sich die KlassensiegerInnen über recht attraktive Preise freuen und für den Tagesschnellsten Markus Zahlbruckner gab es natürlich die Einladung nach New York zum Empire State Building Run Up. Der Donauturm wird mich auch nächstes Jahr sehen !